Bisher veröffentlichte eigene Artikel

Craniosacraltherapie – eine geistige Heilweise?

Geistiges Heilen wird oft mit energetischem Heilen gleichgesetzt und damit in Teilbereichen nicht angemessen verstanden. So sind z.B. das Stärken und Ausgleichen der Chakren und des Meridiansystems energetische Möglichkeiten, die in der Geistheilung eine zentrale Rolle spielen. Oft werden sie aber erst dann zu geistigen Heilkräften, wenn sie den Charakter einer bloßen Aufladung von Energieakkus und Durchputzen verstopfter Energiebahnen übersteigen, indem sie eine auf die Entfaltung der höheren Ichkräfte des Patienten gerichtete bewusste Zukunftsperspektive mit einbeziehen. Die Aufrichtung des Ichs, die Aktivierung der Schöpferkräfte und das Wecken gestalterischer Impulse im Menschen sind hohe Ziele und entsprechen damit einer geistig orientierten Therapie. Eine so geartete Therapie richtet sich zwar nicht unmittelbar und mit vordergründigster Zielsetzung auf die Abstellung körperlicher oder seelischer Beeinträchtigungen, versucht aber der geistigen Natur des Menschen gerecht zu werden und diese so zu stärken, dass ein umfassenderes Heilwerden möglich wird. Weil die Schöpfernatur des Menschen angehoben und gefördert wird, kann der Mensch dahin gelangen, sich über das fixiert Bleiben innerhalb materieller Konflikte und physischer Leiden hinaus zu erheben.

Was sich in diesen ersten Zeilen zunächst so ideal darstellt, erweist sich in der Praxis aber oft als schwierig. Zum einen, weil diese Art der Herangehensweise von den Patienten zunächst nicht erwünscht ist und damit Widerstände hervorruft, zum andern, weil der Versuch, z.B. im Gespräch den Patienten psychisch und energetisch in seinem Ich so erkraften zu lassen, dass er aus seiner momentan einschränkenden Lebenssituation heraus neue Willenskräfte und Zukunftsperspektiven entwickeln kann, oft scheitert, wenn er zu stark durch die bindende Übermacht der traumatischen Vergangenheit am Entfalten gehindert ist. Menschen, die in starkem Masse Traumatisierungen und seelische Verletzungen während ihres Lebens, insbesondere während der Kindheit, erfahren haben, sind bisweilen für klassische energetische Heilweisen oder aufbauende Gespräche nicht oder noch nicht offen und in der Tat auch oft nicht fähig zu einer neuen Willensformung und schöpferischen Neuausrichtung ihres Lebens. Abhängigkeiten und durch Verdrängung entstandene ungesunde Verhaltensmuster können nicht durchbrochen werden, wenn seelische Verletzungen tiefe Wunden in den Schichten des Wesens hinterlassen haben. Aber gerade dann, wenn eine traumatische Vergangenheit die Lebenskraft stark gebunden hält, erweist sich die Craniosacraltherapie oft als echte Chance. Sie bietet meiner Erfahrung nach eine ausgezeichnete Möglichkeit, genau in diejenigen Schichten des seelischen und geistigen Lebensleibes hinein heilsam zu wirken, in denen die Verletzungen ihre Wunden eingegraben haben.

Vielen Traumatherapeuten ist die tiefe Wirksamkeit von Craniosacralarbeit bekannt, und nicht wenige unter ihnen lernen gerade deshalb Cranio, weil sie über den körperlichen Zugang sehr sanft und unmittelbar die tief verborgenen Verletzungen berühren und ihre Lösung unterstützen können. Die heilsame Verwandlung der Traumata geht oft so sehr in innerer Stille vor sich, dass sie nicht selten erst einige Zeit nach der Behandlung als verändertes Wesen wahrgenommen wird, zumindest aber während ihrer Verwandlung keine dunklen und angstbehafteten Empfindungen wachruft, die die Traumaheilung behindern könnten. Viele Craniotherapeuten sind überzeugt, diese einzigartige Wirkung v.a. mit den unmittelbaren Auswirkungen auf der vegetativen Ebene begründen zu können. Mag dies auch ein entscheidender Aspekt sein, so scheint meiner Ansicht nach noch ein viel wesentlicherer Impuls jenen rein physiologischen Veränderungen voranzugehen bzw. diese anzustoßen, und zwar einer, der von geistigen Wirkebenen herrührt.

Um dies deutlicher werden zu lassen, können einige Erkenntnisse von Rudolf Steiner hilfreich sein. Steiner beschreibt außer dem physischen Leib noch weitere den Sinnen nicht mehr so einfach zugängliche Dimensionen des Leibs. Viele kennen v.a. die Begriffe Ätherleib und Astralleib. Der Ätherleib wird auch als Bildekräfteleib bezeichnet, da er dem physischen Leib mit seiner gestaltgebenden Kraft am nächsten kommt und eine seelische Dimension verkörpert, aus der die physische Gestalt und die Körperkräfte unmittelbar hervorgehen. In ihm können starke physische und psychische Verletzungen Wunden hinterlassen, die dort regelrechte „Löcher“ eingravieren. Diese „Löcher“ im Ätherleib sind entscheidend für das Schicksal des Patienten, da sie nicht nur auf das körperlich-seelische Wohlbefinden zurückwirken, sondern auch auf die nächst höhere Ebene des Astralleibes. Letzterer steht u.a. eng mit dem Umfeld des Betreffenden in Verbindung, so dass traumatische Erfahrungen auch die Art und Weise determinieren, wie die Umgebung mit dem Patienten fortan umgeht. Gerade Menschen, die starke seelische Verletzungen als eine Ausgrenzung erlebt haben, ziehen z.B. über den Astralleib immer wieder Situationen an, die sie auch weiterhin ausgrenzen und seelisch verletzen. Eine tief greifende Heilung auch jener Schicksalsaspekte kann am ehesten durch eine Objektivierung der mit dem Trauma in Verbindung stehenden Gefühle und Verletzungen erfolgen. Setzt nun die Therapie weniger auf der mechanisch-körperlichen, sondern auf der seelisch-geistigen Ebene an, so können mit geistigen Kräften und Intentionen die Ebenen des Äther- und Astralleib heilsam berührt und seelische Verletzungen zu einem guten Teil auf eine objektivere Ebene, und damit letztlich von einer seelischen auf eine geistige Ebene gehoben werden, von der aus Heilung in einem tieferen Sinne erfolgen kann. Wenn Traumaheilung stattfindet, dann eben v.a. dadurch, dass Therapeut und Patient mit liebevollen Vorstellungen und gedanklichen Idealbildern von einer seelischen Ebene kommend genau jene geistigen Bereiche anrühren.

Wir können an dieser Stelle sagen, dass Cranio auf sehr unterschiedlichen Ebenen wirkt, und zwar auf körperlicher, seelischer, emotionaler, energetischer, vegetativer und auf geistiger. Bewegen wir uns mit unseren Intentionen vorrangig auf der körperlichen Ebene, indem wir z.B. nur Symptome abschwächen und das Wohlbefinden steigern wollen – so wichtig das in einem ersten Schritt oft ist-, dann können sich zwar durchaus auch tief greifende Wirkungen zeigen. Wenn aber dabei ein früheres Trauma aufbricht, kann dies dann in inneren Bildern und Gefühlen z.T. erneut als heftig und überwältigend erlebt werden und eine Art Wiederbelebung der belastenden Erfahrung bedeuten. Die gewünschte Objektivierung des Erlebens wird so nicht eintreten, bestehende Abhängigkeiten bleiben bestehen. Wenn sich Klient und Behandler aber eher auf die seelisch-geistigen Realitäten einstimmen, wird sich die Wirkung dort auch vorrangig zeigen. Aus dem Geistigen kann dann eine Strahlkraft geboren werden, die auch das seelische und körperliche Empfinden nachhaltig verändert und dem Klienten zu größerer Freiheit verhilft.

Interessanterweise weist die Craniosacraltherapie auch in ihrer rein physischen Gestalt auf die tiefen seelischen und geistigen Möglichkeiten hin: der Ätherleib wird nach R. Steiner sehr stark mit dem Flüssigkeitssystem des Körpers in Verbindung gebracht. Auch bei der Craniosacralarbeit kann je nach Ausrichtung des Therapeuten die Vorstellung, mit den Flüssigkeiten des Körpers zu arbeiten, eine große Rolle spielen. Gerade die biodynamisch arbeitenden Craniotherapeuten gehen auf diesen Aspekt vorrangig ein und auch die rhythmisch pulsierende Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit ist ja bei der Craniosacraltherapie von großer Wichtigkeit. Auch der Astralleib wird durch die craniosacrale Behandlungsform nicht nur indirekt über den Ätherleib, sondern auch unmittelbar über das Arbeiten mit den feinen Dimensionen des Nervensystems berührt. Nach Steiner findet der Astralleib im Nervensystem seinen direkten physischen Ausdruck und steht mit ihm eng in Verbindung. Gerade durch das Arbeiten vorrangig an Wirbelsäule und Schädel, und damit an Rückenmark, Gehirn, Spinal- und Hirnnerven, können jene höheren geistigen Ebenen des Menschen auf sanfte Weise angesprochen werden.

Ein weiterer faszinierender Aspekt der Craniosacralarbeit ist die äußerste Sanftheit der Berührung. Die Hände liegen oft so leicht wie eine Feder auf dem Körper des Behandelten auf. Im Idealfall werden auch keine direkten Manipulationen vorgenommen, sondern in Vollkommenheitsbildern das Gewebe eingeladen, sich einem innewohnenden Ideal aus eigenem Impuls heraus anzunähern. Die oft tief greifenden körperlichen Veränderungen scheinen in keinem Verhältnis zur Sanftheit der Methode zu stehen, da selbst bei starken Körperbeschwerden kaum manipulativ vorgegangen wird. Wenn wir davon ausgehen, dass wir mit unseren bewusst gebildeten und achtsam gepflegten Gedanken- und Vorstellungskräften eher die Dimensionen des Äther- und Astralleibes und damit seelisch-geistige Entitäten berühren, sind tief greifende Verwandlungen auch auf körperlicher Ebene trotz der enormen Sanftheit gut nachvollziehbar, da in nahezu allen Fällen dauerhafter Heilung schwerer Prozesse feine geistige Veränderungen den psychischen und physischen vorausgehen.

Wie wir sehen können, ist die Craniosacraltherapie nicht von sich aus eine Körper-, Energie- oder Geistheilweise. Als reine Methode ist sie offen und frei. Ob sie aber z.B. als geistige Heilweise wirkt, hängt von der mentalen Ausrichtung ab und von dem geistigen Feld, in dem sie angewandt wird. Kann der Therapeut mit Hilfe seiner Vorstellungskraft den Hilfesuchenden während seiner Arbeit in Vollkommenheitsbildern sehen, und ist auch der Klient zunehmend in der Lage, seine seelisch-körperliche Not zu übersteigen, indem er sie als einen wichtigen Entwicklungsschritt hin zu mehr Vollkommenheit entdecken lernt, dann kann die Craniosacraltherapie zu einer geistigen und damit ganzheitlichen Heilquelle werden.





META-Medizin – die Medizin der Zukunft?

Sicher würden Sie zunächst voller Unverständnis den Kopf schütteln, wenn Ihnen jemand sagen würde, dass Sie sich über so manche „Krankheit“ freuen können, weil sie eigentlich Zeichen Ihrer Genesung sei. Vielleicht werden Sie aber doch etwas aufmerksamer, wenn Sie an etwas denken, was Sie vielleicht kennen:
Sie haben wochenlang großen Stress, weil Sie auf eine wichtige Prüfung lernen müssen oder in Ihrer Firma in viel zu knapp bemessener Zeit ein riesiges Projekt über die Bühne bringen müssen. Sie sind dauernd höchst angespannt und können keine Nacht mehr ruhig schlafen. Bleiben wir beim Beispiel der Prüfung: Der Stichtag rückt näher. Sie haben schon einige Protokolle alter Prüfungen durchgearbeitet und hätten kein einziges Mal bestanden. Die anderen, haben Sie den Eindruck, sind schon viel weiter mit dem Stoff. Wie soll ich das nur noch schaffen, denken Sie. Der Druck ist enorm. Sie fühlen sich schon Tage vor dem Termin so richtig ausgelaugt, Sie merken, dass etwas in den Gliedern steckt, was aber noch nicht so richtig rauskommt. Dann endlich: Sie absolvieren die Prüfung und bestehen. Nur wenige Stunden danach bricht dann aus, was Sie die Tage zuvor schon diffus wahrgenommen haben: Sie bekommen Fieber, die Nase schwillt zu und fängt an zu laufen. Und das jetzt, wo der Stress vorbei ist, fragen Sie sich? Das passt womöglich nicht in Ihr übliches Bild: wenn etwas krank macht, dann doch der Stress, unregelmäßiges Essen, wenig Schlaf, ständige Anspannung, so denken Sie. Aber das ist doch jetzt alles passé. Nun ist doch Ruhe und Erholung angesagt. Sie vermuten zwar, Sie hätten sich mit einem Virus angesteckt, aber irgendwie ist der Zusammenhang für Sie nicht von der Hand zu weisen: irgendetwas hat die Erkältung zu tun mit dem plötzlichen Wegfall von Stress und Anspannung.
Nach landläufiger Meinung beginnt zwar die Krankheit scheinbar erst jetzt. Nach den in der Metamedizin erforschten Gesetzen aber befinden Sie sich in diesem Beispiel bereits in der Heilungsphase. Die Metamedizin beschreibt für jede Erkrankung zwei Phasen: die erste ist gekennzeichnet von Stress und großer Anspannung, die zweite von Regeneration und tiefer Entspannung. Bereits die erste Phase geht mit organischen Veränderungen einher, diese bleiben jedoch oft unbemerkt. Deutlichere Symptome finden wir in der zweiten Phase, der eigentlichen Heilungs- und Regenerationsphase. Im unserem Beispiel haben sich in der Nasenschleimhaut während der Stressphase kleine Löcher gebildet, die sich in der Regenerationsphase wieder auffüllen. Oft sind dabei Mikroorganismen beteiligt, die beim Gewebeaufbau unterstützend mitwirken. Wir sprechen daher - allerdings nicht ganz zutreffend – von einer „Infektion“. Der Schnupfen, also ein Flüssigkeitsaustritt aus dem Gewebe, ist Folge der Entzündung, die immer in der Heilungsphase auftritt. Das Fieber ermöglicht ein optimales Arbeiten der Mikroben.
So wie hier ist in vielen weiteren Fällen die vermeintliche „Krankheit“ bereits die Genesung. Dabei spielt es prinzipiell keine Rolle, ob es sich um kurze und banale oder um lang anhaltende und schwerere Erkrankungen handelt. Nur, was ist der eigentliche Auslöser?
Als Auslöser werden nach den Erfahrungen der Metamedizin oft unverhofft eintretende oder emotional überwältigende Konflikterlebnisse angesehen, die momentan nicht oder nicht vollständig verarbeitet werden können. In unserem Beispiel lag ein sog. „Stinke“-Konflikt vor, d.h. die ständigen Stressmomente („Bei diesem Test wäre ich schon wieder haushoch durchgeflogen!“, „Das schaff ich nie mehr in der kurzen Zeit!“) „stinken“ Ihnen bis obenhin. Durch den „krankhaften“ Prozess stellen sich während der konfliktaktiven Phase Organ, Psyche und Gehirn mit charakteristischen Veränderungen auf den unverarbeiteten Konflikt ein, um ihn lösen oder zumindest besser verarbeiten, um letztlich aber auch an ihm erstarken und persönlich wachsen zu können.
Welchen Sinn, so mögen Sie vielleicht fragen, haben aber die körperlichen Symptome bei diesen doch eher psychischen Prozessen? Sie haben einen in erster Linie durch die Evolution geprägten biologischen Sinn.
Auch in meiner Praxis kann ich die Exaktheit dieser biologischen Prozesse und der ihnen zugrunde liegenden Gesetze immer wieder beobachten. Um Ihnen genau diesen biologischen Sinn von „krankhaften“ Prozessen deutlicher zu machen, seien an dieser Stelle noch zwei Beispiele geschildert:

Eine Mutter kam mit ihrem 5 Monate alten Sohn in die Praxis, weil er an Neurodermitis erkrankte. Er erlitt einen Trennungskonflikt, weil die Mutter sehr früh wieder arbeiten ging. Diesen für ihn überwältigenden Kontaktverlust konnte er nicht sogleich verarbeiten. Obwohl das Kind weiterhin gut versorgt wurde, signalisierte eine tief biologische Ebene in ihm eine bedrohliche und hoch akute Situation, denn in der Natur wird ein von der Mutter verlassenes Junges nicht überleben. Soziale Einrichtungen wie Krippen und Kindergärten, Pflegemütter u.a. spielen für diese rein biologische Ebene keine Rolle. Da die Haut als großes sensibles Wahrnehmungs- und Kontaktorgan dient und v.a. der Säugling den überlebenswichtigen Kontakt zur Mutter fast ausschließlich über die feinfühlige Oberhaut erlebt, verdünnt er äußerlich meist unbemerkt seine Haut und verliert zunehmend seine Sensibilität, um den Kontaktabriss nicht mehr zu spüren. Geht der Konflikt aber immer wieder in Lösung, z.B. wenn wie in diesem Fall am Wochenende die Mutter ganz für ihr Kind da ist, so setzt zu diesen Zeiten auch immer wieder eine Heilungsreaktion ein, d.h. eine Entzündung breitet sich in der Oberhaut aus, die die Funktion hat, den Hautzellverlust auszugleichen und die Sensibilität wieder herzustellen. Die Entzündung bedingt Jucken und, nach dem Kratzen, auch Schmerzen. Als die Frau diese Zusammenhänge verstanden hatte, wurde ihr klar, warum das Kind immer dann besonders „krank“ wurde, wenn sie daheim war und sich intensiv um es kümmerte.Mein Sohn hatte 1 Jahr lang einen kariösen Schneidezahn. Einer Karies liegt ein Zubeiß-Konflikt zugrunde, ein Konflikt des sich nicht wehren Könnens/Dürfens. Im Kindergarten wehrte er sich anfangs mit aller Heftigkeit gegen den groben Umgang anderer Jungen oder wenn ihm Spielzeug weggenommen wurde. Mit der Zeit musste er aber die Regel lernen, nicht zurückzuschlagen, sondern die Erzieherin zu benachrichtigen, wenn er ungerecht behandelt wurde. Ein sonst friedlicher Junge malträtierte über längere Zeit meinen Sohn und die Kinder aus seiner Gruppe recht heftig, wogegen er sich nicht wehren durfte/konnte. In den vorletzten Sommerferien war er dann aber nicht mit der Situation konfrontiert, der Konflikt also nicht mehr aktiv. Genau in dieser Zeit begann die Karies, also die Heilungsphase. Was geschah aber am Zahn zuvor? Während der Konflikt-aktiven Phase (Junge verprügelt die anderen) entstand ein unbemerkter Schmelzdefekt, d.h. Zahnsubstanz wurde abgebaut. Der biologische Sinn bestand darin, den Zahn schlanker und damit spitzer zu machen, um effektiver zubeißen und sich wehren zu können. In der Konflikt-gelösten Phase dagegen wird der Substanzdefekt wieder aufgebaut. Auch hier helfen Mikroorganismen kräftig mit, der Herd verfärbt sich daher vorübergehend bräunlich-schwarz. Bei meinem Sohn ging die Heilung während der vorletzten Ferien nicht vollständig zu Ende. Während des letzten Kindergartenjahres war der Konflikt mit dem Jungen dann zeitweise noch aktiv, wenn auch bei weitem nicht mehr so stark. Während dieses Jahres blieb die Heilung sozusagen „hängen“, die Karies konnte nicht verschwinden. Erst in den letzten Sommerferien heilte der Zahn innerhalb weniger Wochen aus, der große Kariesherd ist seither vollständig verschwunden.
Dank der Metamedizin sind für viele Erkrankungen sowohl die zugrunde liegenden Konflikte als auch die typischen Symptome für die konfliktaktive und die konfliktgelöste Phase gesondert beschrieben und systematisiert worden. Darin eingeschlossen sind auch die Tumorerkrankungen samt ihrer biologischen Bedeutung.
Die Metamedizin als lebendiger Überbau für verschiedenste Diagnose- und Therapiemethoden bietet sowohl Heilpraktikern und Ärzten, als auch Betroffenen als Informationsgrundlage eine Fülle von Vorteilen:Mit Hilfe einer gezielten Anamnese, durch die individuelle Symptome, biografische Daten und ärztliche Untersuchungsergebnisse abgefragt werden, ist eine exakte Ursachenfindung möglich.Symptome der Heilungsphase können als solche erkannt und begrüßt werden. Sie müssen nicht mehr missverstanden und unterdrückt werden.Ein gezieltes therapeutisches Vorgehen wird möglich:in der aktiven Phase: Konfliktfindung, Entwicklung von Lösungsstrategien, energetische Stärkung für das selbstaktive Handeln, Traumatherapie, Tiefenentspannungin der gelösten Phase: Aufklärung über den positiven Sinn der Symptome als Heilungszeichen, symptomatische Abschwächung sehr starker oder auch lebensbedrohlicher Heilreaktionen, Zukunftsperspektiven entwickeln um chronische oder rezidivierende Verläufe zu beenden.Das Wissen der Metamedizin ist auch und gerade für den „Laien“ sehr vorteilhaft, da er die Angst vor vielen Krankheiten verlieren und selbstaktiv werden kann. Patienten können kritischer und unabhängiger gegenüber Heilpraktikern und Ärzten bzw. fraglichen Therapien werden.Krankheiten werden als ein sinnvoller biologischer und menschlich ganzheitlicher Prozess versteh- und überwindbar. Hieraus ergeben sich neue Perspektiven für Diagnostik und Therapie.
Es lohnt sich, sich mit den Grundlagen der Metamedizin zu befassen. Wer sich bereits in gesundem Zustand informiert und die exakten Gesetze dieser Naturwissenschaft an kleineren oder bereits abgelaufenen Erkrankungen auf ihre Richtigkeit überprüft, wird bei ernsteren Krankheiten kaum mehr Überzeugungsarbeit benötigen und wird mit klarerem Blick und geringeren Ängsten Konflikte, Heilungshindernisse und seelisch-geistige Wachstumschancen erkennen können. Es bleibt zu hoffen, dass Metamedizin die Medizin der Zukunft wird.





Spiritualität und Therapie


Langes Nachsinnen über geeignete Inspirationsquellen, die eine spirituell gespeiste Therapie begründen könnten, lenkte meine Aufmerksamkeit auf das Alte Testament, genauer auf die Schöpfungsberichte und die sog. „Sündenfallsgeschichte“. In diesen Anfangskapiteln der Bibel sind die wesentlichen Bedingungen für gelingendes Menschsein an sich enthalten. Der erste Schöpfungsbericht erzählt vom „ruach elohim“, vom Geist Gottes als der treibenden Kraft, welche die Schöpfung, also die Materiewerdung aus unvorstellbaren Energieballungen ganz zu Beginn und dann auch die Bildung lebendiger Wesen, ihre Höherentwicklung und Ausdifferenzierung bis hin zum Menschen antrieb. Dieser Geist, der „ruach elohim“, lässt sich als eine sehr archaische Kraft verstehen, eine, die diese „rohen“ Anfangstaten ebenso vollbrachte wie das Jahrmillionen dauernde mühevolle Aufsteigen auf der Evolutionsleiter, ein Geist, der einer brachialen, brodelnden Urgewalt und einer unfassbaren, nimmer müden Willensanstrengung am nächsten kommt. Ich bezeichne diesen Aspekt des letztlich unzerteilten göttlichen Geistes als den „Geist von unten“, da er den Sturz in die Tiefe, in die Rohheit und Ungeschaffenheit nicht scheute, um sich dann in endlosen Spiralen aus der selbst gewählten Finsternis und Unbewusstheit empor zu winden zu immer größerer Differenziertheit und Komplexität, zu immer intensiverer Lichtheit und Bewusstheit. Es ist ein „Geist von unten“, da seine Entwicklungsdynamik klar nach oben weist. Nur wozu das alles? Warum dieser Weg? Welches Ziel sollte am Ende erreicht sein? Die Bibel nennt es ganz klar: der „ruach elohim“ wollte sich ein Geschöpf schaffen, das so ist wie er, mit seinen Möglichkeiten, er schuf den Menschen als sein Ebenbild. Das erfordert genau hinzuschauen, wodurch sich der „ruach elohim“ auszeichnet: er ist Bewusstsein, Wille und – vor allem Schöpfer. Das Schöpfersein Gottes verfolgt mit der Evolution ganz wesentlich als Ziel: das Schöpfersein des Menschen. Dazu muss aber der Mensch heraustreten aus der Unbewusstheit, aus dem instinktgeleiteten Eingebundensein in die Abläufe der Natur, er muss die reine Biologie verlassen. Die biologische Entwicklung war nicht Selbstzweck, sondern lediglich Vorbedingung, um ein Wesen mit ausreichenden Möglichkeiten hervorzubringen, die ihm erlauben, Bewusstsein seiner selbst zu erlangen und die Andersartigkeit, die Zielbestimmtheit seiner Daseinsform zu erkennen. Dieses Erkennen und Bewusstwerden nennt der sog. „Sündenfallsbericht“ gleich nach den Schöpfungserzählungen „Essen vom Baum der Erkenntnis“. Erst auf der Basis der Erkenntnis seiner Möglichkeiten kann der Mensch sein „Tiersein“ verlassen und zum wahren Menschen werden, zu dem er bestimmt ist. Der Baum der Erkenntnis gibt ihm nicht nur die Einsicht in seine Bestimmung, selbst Schöpfer zu werden, sondern auch die Unterscheidungsfähigkeit zwischen „Gut“ und „Böse“. Hierin liegt nun der eigentliche Schlüssel zum Verständnis: das „Böse“ und „Sündhafte“ wäre somit nicht die „Anmaßung“, sich selbst zum Schöpfer zu erheben, wie das religionsgeschichtlich im Christentum mehr oder weniger bewusst gesehen wurde, sondern genau umgekehrt der Verzicht auf die Möglichkeit, selbst „Schöpfer“ zu werden. Indem der Mensch immer wieder zurück ins „Paradies“ will, weil er sich aufgrund des „Erkenntnisaktes“ nun seiner Fremd- und Andersartigkeit gegenüber der Schöpfung bewusst wird und sich deshalb verloren und ausgesondert fühlt, erst indem er dem unmöglichen Wunsch einer Rückkehr in die instinktgeleiteten und unbewußten Vorgänge der Natur nachhängt, „sündigt“ der Mensch. Das Gefühl des „Ausgesondertseins“, oder bereits differenzierter das Gefühl der Sinnlosigkeit seines Daseins, des Getrieben- und Fremdbestimmtseins wird er dadurch nicht wirklich loswerden, indem er in die „dumpfen Triebe“ seiner biologischen Natur zurück zu kriechen versucht und die Impulse seiner höheren Bestimmtheit in die Tiefen der Verdrängung weg zu schieben trachtet. Das Dilemma besteht darin, biologisches Wesen zu bleiben und dennoch bereits die Möglichkeit und den „Auftrag“ zu haben, genau diese Wesenhaftigkeit zu transzendieren, - ein Zwiespalt, den der Mensch wie zwei Seelen in seiner Brust empfinden mag, da der Sog der inneren biologischen Wesensnatur und ihrer äußeren Spiegelungen der individuellen Stimme einer geistig-schöpferischen Durchdringung seines Lebens vordergründig zunächst entgegen zu stehen scheint . Das Transzendieren ist aber keine erneute Triebunterdrückung oder weltflüchtig theoretische Askese, sondern die höchst bewusste und auf klarer Erkenntnis beruhende Entscheidung zu schöpferischem Leben, das die Person in ihrer Einzigartigkeit zum Ausdruck zu bringen vermag, gleichsam ein Verwandeln seiner Urnatur in eine neue Natur, die ihn erst zum Gottebenbild macht. Was schöpferisch ist und dem Einzelnen zu lebendigem Ausdruck seiner selbst verhilft, sagt uns aber nicht die Tradition, die Religion, die herrschenden Moralvorstellungen, nicht die Gesetzmäßigkeiten der Natur, nicht die Gesellschaft, die öffentliche Meinung, die erzieherische Werteprägung, u.s.w., sondern der „Baum der Erkenntnis“. Dieser Baum ist ein Gewächs, das mit der Entwicklung der Einzelpersönlichkeit im Inneren des Bewusstseins mit wächst, das stark und kräftig wie ein Baumstamm den Menschen aufzurichten und zu stützen vermag. Wenn die Früchte reif sind, wird der Mensch verlockt, sie zu kosten. In der „Sündenfallsgeschichte“ ist es die Schlange, die den Menschen durch List verlockt, die Früchte zu verzehren. Der Mensch ist von Natur aus noch zu sehr „biologisch“, d.h. zu träge, zu wenig daran interessiert, Erkenntnis seiner selbst zu erlangen. Es bedarf der „Gnade“ der Verführung, um von seinem Erkenntnisvermögen und seiner eigenen Gedankenkraft Gebrauch zu machen. Wie ein Wesen, das aus dem Unbewußten kommt, erinnert ihn dieses erdverhaftete Tier an den eigentlichen Auftrag, „Gottebenbild“ zu werden. Tut es der Mensch nicht und übersieht die Verlockung der Schlange oder tritt sie mit seinen Füssen, so läuft er Gefahr, gebissen zu werden. Seine träge Missachtung der inneren Stimmen kann, je weiter der Mensch in der Evolution voranschreitet, immer weniger kompensiert werden. Er wird krank, erleidet Depressionen, durchläuft innere und äußere Krisen, bis er entweder den Auftrag der Menschwerdung erkennt oder sein Leben vorzeitig wieder aushaucht. Die Asklepios-Schlange ist nicht zufällig Symbol der Heilkunst: das Gift kann Heilmittel sein, wenn es schmerzhafter Anstoß zur Selbstentfaltung ist, oder Todbringer, wenn es lediglich zur Linderung konsumiert wird, wenn der Mensch seine Schöpfernatur nicht leben, sondern stattdessen ins „Paradies“ der Unbewusstheit zurückkehren will.
Aber, so mögen Sie einwenden, was bedeutet jenes Schöpferdasein? Leben wir dieses nicht schon mehr als ausreichend? Unsere Gesellschaft zeichnet sich doch gerade dadurch aus, dass sie eine „Produktionsgesellschaft“ ist. Glücklicherweise erkennen heute immer mehr Menschen, dass jenes Eingebundensein in den Produktionsprozess, das den Einzelnen zu einer ersetzbaren und fremdbestimmten „Maschine“ im Fertigungsablauf von Waren oder Dienstleistungen macht, dass jenes geistlose Produzieren von Dingen, die oft reinen Fetischcharakter haben, nicht das wahre Schöpfersein sein kann. Gerade weil hier aber der Mensch ein Leeregefühl und eine große Unzufriedenheit spürt, wäre es nun wesentlich, vom „Baum der Erkenntnis“ zu essen. Wo ihn die Welt gängelt und „auffrisst“, versucht sich der Mensch nun aber eine Gegenwelt zu schaffen, die einer Rückkehr ins „Paradies“ der Dumpfheit und Erkenntnislosigkeit, der Passivität und seligen Gemüthaftigkeit gleich kommen soll. Die Familie, das Auto, die berufliche Qualifikation, der Status, das Einkommen, der Besitz, die Harmonie zu Hause, die wohlerzogenen Kinder, das traute Heim, der treue Partner u.s.w. werden oft zwanghaft zu Refugien und Scheinwerten stilisiert, um der schmerzenden Selbstentfremdung zu entfliehen und eine notdürftige Beruhigung, einen brüchigen Seelenfrieden wieder herzustellen. Die Mächtigkeit der biologischen Triebe (Wunsch nach Nachwuchs, langlebiger Beziehung, Sicherstellung der Ernährung, Nestbau, Revierbestimmung) scheinen zwar eine Bestätigung für die Richtigkeit des eigenen Handelns abzugeben. Aber dennoch erlebe ich in meiner Praxis vor allem Menschen, die gerade deshalb kommen, weil sie in Arbeit, Familie, Beziehung u.s.w. nicht nur die große Erfüllung nicht finden, die sie sich ersehnt hatten, sondern weil es genau diese Bereiche sind, die sie krank, unglücklich, ja verzweifelt machen. In ihrer Krankheit, in ihrer Seelenkrise schreit etwas in ihnen, das sich mit dem „Erreichten“ nicht zufrieden geben will, oder im System (Familie, Arbeitskollegen, u.s.w.) peitscht etwas auf, was den ersehnten Frieden und die erhoffte Harmonie chronisch zerstört (Mobbing, cholerischer Chef, ausbleibende Anerkennung im Team, hyperaktive/schwererziehbare Kinder, gleichgültiger/gewalttätiger Gatte, u.s.w.). Gleich, ob das Symptom aus dem Betreffenden selbst kommt oder aus dem Umfeld auf ihn einwirkt, es wird zu einem ureigenen Ausdruck der Unzufriedenheit, die aus dem ausschließlichen Erfüllen biologischer Triebe, aus der unreflektierten Übernahme gesellschaftlicher Prägungen und aus dem unbewußten Gehorsam gegenüber moralischen Vorstellungen geboren wird und die eigene Erkenntnis- und Schöpfernatur zu erdrücken droht. Indem aber das Symptom, der Schmerz, das Leiden oder der „unlösbare“ Konflikt auftritt, kommt die Heilung von der schmerzlosen „Selbstlosigkeit“ erst in Gang. Die schmerzhafte Selbstwerdung beginnt allzu oft mit der „Krankheit“, der Krise, der seelischen Notsituation. Erst indem der Einzelne ein Empfinden für sein bisheriges Getrieben- und Fremdbestimmtsein entwickelt (Essen vom „Baum der Erkenntnis“), wächst auch gleichzeitig eine Kraft, die ihn im zweiten Schritt zum Schöpfer macht, und zwar zum Schöpfer seines eigenen Lebens. Erst indem er beginnt, in sein Inneres zu lauschen, seine wahren Sehnsüchte, Wünsche und Willensausrichtungen zu erahnen, kann eine Macht in ihm zu keimen beginnen, die dann die verkrustete Schale seiner Fremd-, Außen- und Naturgeleitetheit aufbrechen kann. Dieses Verständnis von Krankheit und Krise ist nun wesentlich nicht nur für den Einzelnen, sondern auch für die Ausnahmesituation der Therapie: so wie die Hebamme es sich nicht zum Ziel macht, den Schmerz der Wehen zu „behandeln“, sondern ihn als Ausdruck einer Kraft sieht, die es zu unterstützen gilt, um die Geburt des Kindes voranzubringen, so muss auch der Therapeut, der Seelsorger oder Begleiter die verborgene Kraft in der Krise oder Krankheit erkennen und voraussetzen, um den Hilfesuchenden durch das Tal der Turbulenzen hindurchzuführen zu größerer Lichtheit und Freude, anstatt ihn rückwärtsgerichtet wieder herausziehen zu wollen an einen alten Standort, den es möglicherweise gar nicht mehr gibt. Therapie heute ist leider immer noch viel zu häufig ein Basteln am Symptom, das als positives Zeichen eines inneren Aufbruchs nicht verstanden wird. Statt es zu unterdrücken, müsste jene Kraft gefördert werden, die sein Entstehen einst auslöste. Indem der Mensch vom „Baum der Erkenntnis zwischen Gut und Böse“ isst, also Unterscheidungsfähigkeit erlangt zwischen „Das bin ich!“ und „Das sind übernommene Vorstellungen und triebhafte Wünsche!“, erst dadurch kann er die Kraft, die das Symptom oder die Krise hervorbrachte, durch Bewusstheit und schöpferisches Aktivwerden emporheben und umlenken in einen Strom heilvoller Energie und kreativen Gestaltungswillens, der sein Leben verwandeln und nach angemessener Zeit dann möglicherweise auch sein Symptom überwinden helfen kann. Will der Mensch in seiner Krise oder Krankheit aber ausschließlich in den paradiesisch leidlosen Zustand der reinen Schmerzlosigkeit und Unbewusstheit zurück und hilft ihm der Therapeut nur hierbei, so können zwar „Erfolge“ da sein, aber sein Menschsein wird dabei nicht unbedingt gefördert. Die Therapie bestätigt dann letztlich einen Irrtum: dass der Schöpfergeist, von dem wir anfangs sprachen, jener „ruach elohim“, jener „Geist von unten“, ein fehlerhaftes, störanfälliges und relativ lebensuntüchtiges Geschöpf hervorbrachte, oder, wenn wir dies nicht annehmen wollen, er selbst mit schicksalhaften Schlägen und undurchschaubaren Züchtigungen aufwartet. Da ich aber die Erfahrung mache, dass in einer Krankheit ein biologischer Sinn steckt und eine Krise eine Chance seelisch-geistigen Wachstums in sich birgt, kann ich auch das Bild von der Fehlerhaftigkeit der Schöpfung nicht annehmen. Der Versuch, den scheinbaren Defekt des Biologischen zu reparieren, um schnelle Leidfreiheit zu erreichen, gleicht einer vergeblichen Manipulation an jenem Schöpfergeist Gottes. Aber anstatt am „Geist von unten“ etwas aussetzen oder ausrichten zu wollen, nennt das Neue Testament eine viel versprechende Alternative, nämlich einen weiteren Aspekt des Geistes Gottes: den sog. Heiligen Geist. Dieser Geist gleicht einem „Geist von oben“, der auf die Menschen herabkommt, der ihnen Helfer und Beistand ist. Er ist jene Macht, die sich dem Menschen zwar nicht aufzwingt, die er aber einladen kann, um Erkenntnis seiner selbst und schöpferische Kraft zu erlangen. Er ist imstande, jene Lücke zu schließen, die durch die „Vertreibung aus dem Paradies“ entstanden ist: der „Geist von unten“, der „ruach elohim“ entlässt den Menschen am vorläufigen Endpunkt der Evolution in eine Freiheit, die ihm wie ein ausgestoßen Sein vorkommt. Wenn aber der Mensch erkennt, dass er als spirituelles Wesen nun vorrangig eine schöpferische Evolution im Geiste beginnen kann und soll, die ihn nun an einen neuen Schöpfungsbeginn stellt, so kann ihm der „Geist von oben“ hierzu eine Hilfe sein. Erst zum jetzigen Zeitpunkt der Evolution ist der Mensch fähig, den Geist von oben in die Schöpfung einzulassen und sie mit Bewusstheit zu durchdringen. Da aber Erkenntnis- und Schöpferkraft jetzt noch nicht selbstverständlich zu seinem Wesen gehören, weil die Evolution in extremer Langsamkeit voranschreitet, tritt der „Geist von oben“ ein, um diesen Mangel ausgleichen zu helfen. Dieses „Pneuma“, wie jener Geist griechisch heißt, ist nicht nur ein heiliger Geist, sondern auch und vor allem ein heilender Geist. Von ihm heißt es, dass da, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind, er mitten unter uns ist, eine Erfahrung, die ich in meiner eigenen Arbeit mit Patienten oft als Gnade geschenkt bekomme, wenn die Begegnung in diesem Geist möglich ist. Da, wo es gelingt, in der Krankheit oder Krise den inneren Schöpfungsauftrag des jeweiligen Menschen zu erkennen und bei seiner Gestaltwerdung zu unterstützen, geschieht nicht nur Heilung, sondern da bricht ein neues Menschsein und eine vertiefte Glücksfähigkeit an.




Ideal und Wirklichkeit


Vielfach erkennen wir im Leben Ideale, die uns so mächtig anziehen, dass wir danach trachten, sie unbedingt zu erreichen, z.B. das Ideal der Großzügigkeit, der selbstlosen Liebe, der Treue, des Mutes etc. Und doch erleben wir es mindestens genauso häufig, dass uns das Ideal ein Ideal bleiben muss, eben ein ideenhaftes Gebilde, das sich mit der Realität nicht messen lassen kann. Das Knechtische liegt wohl tatsächlich darin, dass wir das Ideal oft mit Gewalt und Verbissenheit in die Wirklichkeit zwingen und zerren wollen, gleichzeitig sehend, dass es nicht dauerhaft oder nur in kleinen Teilen gelingt. Wir verzweifeln daran, dass wir einerseits die wahre Größe eines Ideals erkannt zu haben meinen und gleichzeitig aber an unserem Erkenntnisvermögen oder der Grausamkeit der Wirklichkeit zu zerbrechen drohen, wenn das Edle und Hohe nicht praktizierbar scheint. Ich habe mir deshalb einmal Gedanken darüber gemacht, welchen Bezug wir zum Ideal brauchen, damit es nicht durch das Scheitern zerbrechen muss oder wir an ihm und es dennoch seine objektive Bedeutung beibehalten darf. Vielleicht kann es genügen, das Ideal gerade aus dem Scheitern heraus zunächst einmal noch klarer zu erkennen, zu denken, zu fühlen, ihm in seiner wahren Substanzkraft noch näher zu kommen als es vorher der Fall war. Denn das Ideal – einmal vorausgesetzt, dass es als solches von unserer Erkenntnis und vorfindlichen Wirklichkeit unabhängig existiert - liegt ja irgendwie verborgen in der Wirklichkeit eingehüllt, ein wenig wie eine Frucht, die zu reifen beginnt, aber noch von der Schale eingefasst ist, oder wie ein neuer Mensch, der im Mutterleib schon vorhanden ist, aber der Geburtshilfe benötigt, damit er geboren werden kann. Ein Ideal ist eine in der Welt des Geistigen sich vorbereitende Entität der Schöpfung, die ab einem bestimmten Entwicklungspunkt Realität werden will, die aber noch nicht selbstverständlich in der alten Wirklichkeit beheimatet ist. Durch unser Erkennen, Denken, Bewusstmachen und schöpferisches Handeln möchte sich ein Ideal mehr Wirklichkeit und Selbstverständlichkeit verschaffen. Und auch durch unser Scheitern und den Widerspruch zwischen Ideal und Wirklichkeit erst lernen wir eine bewusste Unterscheidungsfähigkeit zwischen dem schon Verwirklichten, Wohlvertrauten sowie dem noch mehr ideenhaft anbrechenden Neuen, für das die Zeit gekommen ist, wenn große Gestalten der Menschheitsgeschichte wie Moses oder Christus sie verkünden und Menschen sie nun auch in ihren Herzen spüren. Das Tröstliche ist: nicht wir schaffen den Widerspruch zum Ideal, etwa weil wir grundsätzlich zu schwach wären es beherzt umzusetzen, sondern der Widerspruch besteht zunächst einmal sehr praktisch in dem Problem, dass das Altgewohnte in der Wirklichkeit schon verankert ist, daher meist auch nicht mehr reflektiert wird, und nur dadurch unzeitgemäß wird, weil es mit dem neuen Ideal noch nicht verbunden bzw. von ihm her mit einer neuen Qualität durchdrungen wurde, was eine erneute Reflexion des Vertrauten und all der Probleme und Spannungen, die sich aus ihm plötzlich ergeben, erfordert. Jenes Überschreiten alter Schwellen ist – im Kollektiv der Menschen wie auch im Schicksal der einzelnen – nicht selten ein schmerzhafter Prozess, einer, der mit Krisen, Konflikten, Krankheiten und vielem mehr verbunden ist, weil nur über sehr lange Zeiträume hinweg neue Ideale auch umfassende Realitäten werden, die dann ebenso selbstverständlich sind, wie lange Zeit bestehende alte „Ideale“ (besser: „Reale“), die aber immer weniger zeitgemäß scheinen, wenn sie nicht den tieferen Sinn, auf den hin sie von Anbeginn her angelegt waren, mehr und mehr hervordrängen.
Ein Beispiel: das Ideal der Treue. Wenn es im Alten Testament heißt "Du sollst nicht Ehe brechen" oder „Du sollst nicht begehren deines nächsten Weib, Gut, Ehr, Kind, Vieh…“, dann lag dem ein bestimmtes sehr ernst zu nehmendes Ideal zugrunde, das aber verschieden ist von dem heutigen. Damals galt es, einen bewussten gesellschaftlichen, kulturellen und kollektiv-moralischen Boden zu bereiten, auf dem dereinst höhere Werte der Liebe sich verwirklichen könnten, für die damals die Zeit aber noch nicht in größerem Umfang reif war. Dieser Boden musste daher durch sehr äußerliche Gebotssetzungen geschaffen werden. Das in dem Gebot enthaltene Ideal der Treue, das u.U. sogar unter schwerstem Opfer, unter Missachtung der eigenen Triebregungen und unter Verzicht auf die egoistischen Neigungen im Laufe der Generationen immer besser erbracht werden konnte, hatte eine gemeinschaftsstabilisierende Funktion, eine den egoistischen Trieb mindernde, eine die Kinder und Familie schützende, eine den Mitmenschen vor rasender Eifersucht und blinder Rache bewahrenden, einen die Revier-, Eigentums- und Beziehungsverhältnisse des Nächsten achtenden. Dieses Ideal sollte einen Rahmen schaffen helfen, der u.a. in der Beziehung nicht dann einen Endpunkt setzen ließ, wenn Neigungen, Triebe und Verlangen abflauten, sondern auch eine Bereitschaft oder sogar Notwendigkeit erkennen ließ, Konflikte konstruktiv zu meistern. Denn lässt sich der Mensch weiterhin von biologischen Trieben leiten und nicht von den internalisierten Kräften des „Über-Ich“, die das Ideal spiegeln, dann müssten die Menschen in fortwährender Angst leben, dass morgen der Gatte mit einer anderen aus dem Revier läuft oder sie aus diesem verjagt, weil die Macht der Gene ihm in Form eines mächtigen Paarungstriebes unbewusst diktieren, dass mit dieser Frau die fitteren Nachkommen zu zeugen sind. Ist der Mensch nur seinen Triebkräften hörig ohne an ein Ideal gebunden zu sein, dann wären kaum Kräfte, Energien und Ressourcen übrig außer dem ständigen Kampf ums Dasein und Bangen ums blanke Überleben, was eben ohne Partner und ohne sicheres Revier damals kaum denkbar war. Durch das Ideal der Treue in alttestamentlicher Zeit sollte genau in diesem Punkt eine Beständigkeit, Stabilität und Verlässlichkeit aufgebaut werden, die dann Freiräume schaffen sollte, um sich in der Beziehung der Menschen untereinander und als Paar dereinst neuen Aufgaben zu widmen. Heute weicht der ganz pragmatische Sinn des Ideals in den Wohlstandsländern stark zurück, denn hier ist die Treue der Partner untereinander nicht mehr die Bedingung für das Überleben, sondern ist für die Absicherung der Existenz weitestgehend überflüssig geworden. Dennoch wurde vielleicht der Wohlstand unserer abendländischen Kultur nur möglich u.a. wegen dieses Ideals. Dieses ältere Ideal, das eben schon über lange Zeit sich in eine gelebte Wirklichkeit gewandelt hat, gilt prinzipiell zwar auch heute noch, scheint aber schon so weit verinnerlicht und selbstverständlich, dass als tieferer Sinn der Treue ein höheres Ideal hindurch tritt: es geht heute mehr um die Erkenntnis des geistigen Wesens des Mannes und der Frau. Ist der Mann - rein biologisch gesehen - nur der Reviereroberer und -verteidiger, die Frau nur die Gebärerin und Aufzieherin der Nachkommen, um die Gattung zu erhalten, dann ist von der geistigen Natur des Mannes und der Frau freilich nichts verwirklicht. Wenn aber die Frau erkennt, dass das Wesen des Mannes Gedankenkraft und denkende Durchdringung der Welt, Sittlichkeit und Ausbildung hoher ethischer Werte, Moralität und edle Gesinnung ist, und ihn in der Ausbildung dieser Eigenschaften unterstützt, oder der Mann erkennt, dass das Wesen der Frau Anmut und Sinn für das Schöne, ästhetisches Empfinden und Gestalten, Inspiration und feine Empfindsamkeit ist, und sie in der Ausbildung dieser Eigenschaften unterstützt, dann fördern sich Mann und Frau wechselseitig in einem geistigen Ideal, und dieses verbindet sie auf einer höheren und mächtigeren Ebene, schafft eine Liebe, die bei höchster Freiheit gleichzeitig eine große Neigung zur Treue hervorbringt. Dann ist die Treue eben nicht mehr die Bedingung der Liebe wie im Falle des früheren Ideals, sondern die Folge, die wir ab einem bestimmten Punkt nicht mehr schaffen, sondern nur noch ernten können, wenn wir die höheren Ideale des Mannes und der Frau erkannt und verwirklicht haben. Erkennen wir aber nicht, dass das alte Ideal bzw. die bestehende Wirklichkeit allmählich durch das neue veredelt und vervollkommnet werden müsste, dann entsteht zunächst etwas Paradoxes daraus, nämlich dass wir scheinbar hinter das frühere Ideal zurückfallen, sprich: dass uns die Gebote egal sind, wir Ehe brechen, untreu sind, uns unseren Trieben wieder hingeben etc, so wie wir es derzeit in unserer Gesellschaft ganz deutlich erleben. Daran ist richtig, dass in der äußerlichen Befolgung der Treue in der Tat dauerhaft kein Selbstzweck begründet liegt, dass sie auf ein höheres Ideal verweist, das es zu erspüren gilt. Sind wir nicht in der Lage, dieses höhere Ideal richtig zu erkennen, dann sind wir frustriert und fühlen uns nicht nur moralisch als Versager, sondern auch als ein zu dauerhafter Liebe befähigtes Wesen mangelhaft. Wenn ein Mensch "die Treue bricht", eine Ehe oder Partnerschaft auflöst, dann vielleicht deshalb, weil er eben erkennen muss, dass er die Verbindung in Befolgung sehr vordergründiger Neigungen eingegangen ist, meist biologischen Trieben oder auch regressiven Tendenzen folgend, was für einen jungen Menschen in der Regel der Fall ist ("Der Sex mit diesem Mensch ist so berauschend, den muss ich mir sichern!", das wäre dann ein biologisches Motiv, denn Sex dient als Trieb der Arterhaltung; oder: "Bei diesem Mensch fühl ich mich so sicher und angenommen, geborgen und beschützt, wenn ich mit dem in den sicheren Hafen der Ehe einfahre, dann hab ich für immer ein angstloses, ruhiges und behütetes Leben!", das wäre ein regressives Motiv). Diese Kräfte haben meist einen limitierenden Charakter und führen früher oder später an eine Schwelle, die nicht mehr zu übersteigen ist mit der gewohnten Intention. Entweder es gelingt, hier einen entscheidenden Erkenntniszuwachs zu erlangen und die geistige Wesensnatur des anderen mehr in den Blick zu nehmen, oder die Treue muss gebrochen werden. Oft geht nur letzteres, denn eine Familie gründen und guten Sex haben kann ein Mensch prinzipiell mit sehr vielen, aber einen Partner zu finden, mit dem auch der geistige Austausch so gestaltet werden kann, dass er beiden zu persönlichem Wachstum verhilft, ist schwieriger und bedarf oft eben des Bewusstseins für diese ganz anders geartete "Partnerwahl". Das Entscheidende heute wäre also nicht mehr so sehr, ein Ideal verfehlt zu haben, weil man untreu war, sondern ob man erkannt hat, warum man nicht mehr treu sein konnte, denn dann wird es möglich, das höhere und zeitgemäßere Ideal zu suchen, zu finden und zu verwirklichen. Wenn klar wurde, dass es nicht gelang, die höhere Wesensnatur dieser konkreten Frau oder dieses konkreten Mannes zu erkennen und zu fördern, und ich mit diesem geschärften Bewusstsein und einer ganz anderen Motivation einen neuen Partner suche und finde, dann habe ich den höheren Sinn der "Treue" erkannt, von der ich nun weiß, dass sie sich leichter einstellen wird, wenn ich in meinem Partner nicht nur Vater-/Mutterersatz oder einen Paarungs- und Brutpflegegenossen vorfinde, sondern ein Wesen, das sich wünscht, Mensch zu werden, und zwar der ganz konkrete, der er ist bzw. werden will. Ich glaube, das meinte Jesus, als er sagte: "Ich bin nicht gekommen, das Gesetz und die Propheten aufzulösen, sondern zu vollenden." Die Vollendung meint das Erkennen des tieferen Sinnes der Gebote, der sich nicht in der äußeren Befolgung erschöpft, sondern im Annähern an ein Ideal. Wenn er vom anbrechenden Reich Gottes und einer neuen Freiheit im Geist spricht, so nicht in dem Sinne, dass sie wie eine übernatürliche Gnade dem Menschen unbeteiligt eingeflößt würde und sich eine Wandlung unbemerkt im Stillen vollzöge, nein, sondern es heißt, dass das Ideal, das dieser Freiheit zugrunde liegt, sich immer mehr in der vorfindlichen Wirklichkeit ankündigt und hervorbricht und mich in meiner Verhaftetheit im Alten in einen immer größeren Widerspruch treten lässt zur Mächtigkeit des neuen Ideals. Aber allein das Erleben des Widerspruchs, auch wenn ich ihn nicht lösen kann, ist etwas Heilsames und Wertvolles. So dürfte auch jener Satz Jesu zu verstehen sein: "Moses hat euch gesagt: wer seine Frau verlässt und eine andere zur Frau nimmt, der hat die Ehe gebrochen. Ich aber sage euch: wer eine andere Frau auch nur ansieht, ihrer zu begehren, der hat bereits die Ehe gebrochen." Ganz bewusst zeigt er, dass es unmöglich ist, „neuen Wein in alte Schläuche zu füllen“, im alten Bewusstsein ein neues Ideal, das in dem Gebot eingehüllt war, zu erreichen. Ich muss solange zusehen, wie ich im Sinne der "Gebotsverschärfung" sogar noch mehr in Widerspruch zur Wirklichkeit trete, bis ich im Zerbrechen daran verstehe, dass es um den zugrunde liegenden Wert geht, und nicht um das Gebot als reinen Selbstzweck. Und der Wert, also das Ideal wäre: einen ganz konkreten Menschen, zu dem mich etwas hinzieht und ihn zu mir, so zu lieben, dass die Liebe sich nicht im Ausleben der Sog- und Triebkräfte erschöpft, sondern dass jene Kräfte, die ich nicht gemacht habe, zum Instrument werden, den Geliebten in seinem göttlichen, geistigen und individuellen Wesen zu befühlen, ihn in seinem Lebensauftrag, in seiner höheren Gestaltwerdung zu fördern. Das wäre das Ideal, das ich in dem konkreten Mann und der konkreten Frau erkennen und verwirklichen soll.